Die Älteren werden sich erinnern: Früher, da schrieb man, wenn man im Urlaub war, Postkarten, meist mit Sonnenuntergängen oder anderen, leicht kitschigen Motiven, versehen, mit einem kurzen Text à la „Wir verleben wunderschöne Ferien in xy und genießen die Sonne und das gute Essen. Danke fürs Blumen gießen, viele Grüße…“ Für mehr war kein Platz und eigentlich war damit auch alles gesagt. Schickte man die Karte von Italien aus, kam sie meist erst an, wenn man schon wieder selbst daheim war und alles erzählt hatte. Dennoch – ein schöner Brauch und eine nette Geste, nicht nur für Nachbarn, die sich um die Blumen kümmern. Wenn man eine Briefmarke darauf klebte und das Ding in den Briefkasten steckte, kam es drei Tage bis drei Wochen später bei der Person an, an die die Karte adressiert war. Ein wahres Wunder an Logistik.

In Französisch-Guayana nun gibt es wunderschöne Postkarten zukaufen – natürlich nicht überall, aber wir haben am Maronifluss in einer Tourist-Information – ja so etwas gibt es dort manchmal auch – ein paar wunderschöne gezeichnete Karten gesehen, gekauft und geschrieben. Dann lagen sie in unserem Auto, bis wir einmal an einer Post vorbeikamen, die offen war – das ist nicht ganz so einfach. Aber in Sinnamary war es so weit. Zwei Damen saßen in der Post, die gleichzeitig auch als Bankfiliale dient. Beide in Uniform, beide vor einem Computer, eine Kundin vor uns, die aber schon fast fertig war und den weit herunter gekühlten Raum verließ. Ich schob meine drei Postkarten zu der Dame, die mich freundlich anlächelte. Sie schaute auf die Karten, drehte sie um, sagte etwas zu ihrer Kollegin, so schnell, dass ich kein Wort verstand, dann tippte sie auf ihre Tastatur, öffnet eine Schublade, holt Briefmarken heraus. Ich öffne meinen Geldbeutel in der tiefen Überzeugung, dass sie mir gleich den Preis für drei Marken nennt. Statt dessen sagt sie nach einem Blick auf ihren Bildschirm: „L’Allemagne n’est pas autorisée“. Ich bin verwirrt. „Ce n’est pas possible“, antworte ich und weiß immer noch nicht genau, worüber wir eigentlich sprechen. Sie dreht den Bildschirm zu mir, auf dem irgendetwas von L’Allemagne steht, vor allem aber ein großes Rad dreht, die Verbindung zum Internet scheint sehr langsam zu sein. Ich wiederhole mein „Das ist nicht möglich“, da ich mir tatsächlich nicht vorstellen kann, dass es ein Abkommen zwischen Französisch-Guayana und Deutschland gibt, wonach keine Postkarten nach Deutschland geschickt werden dürfen. Die Kollegin mischt sich ein, die beiden Damen diskutieren, ob man die Karten in einen Briefumschlag steckt. Leider tut das Internet weiterhin nicht, was es soll, und spuckt keine Information aus, ob Deutschland autorisiert ist, Briefe aus Französisch-Guayana anzunehmen. Also auch keine Lösung. Die Mitarbeiterin, die uns bisher bedient hat, schmeißt das Handtuch. Sie will mit diesem unsauberen Geschäft nichts zu tun haben und schickt uns an den Nachbarschalter. Ihre Kollegin wagt es und verkauft uns drei Marken, allerdings nur, wenn wir sie selbst draußen in den Briefkasten stecken. Das scheint wichtig zu sein, dass sie sich nicht selbst die Hände schmutzig machen, bei diesem illegalem Tun. Es dauert dann noch ein Weilchen, bis ausgerechnet ist, wie viel die drei Marken kosten und wieviel Wechselgeld wir bekommen, und, bis der Schlüssel für die Schulblade gefunden wurde, in der sich das Wechselgeld befindet. So oft scheint man in Sinnamary keine Briefmarken zu kaufen oder etwas anderes. Aber dann haben wir die Marken und unsere Karten und werfen sie draußen in den Kasten. Eine von den drei Karten ging auch in die Schweiz. Ob die Schweiz autorisiert ist, wurde aber nie diskutiert. Schade eigentlich und schade, dass mein Französisch so schlecht ist, dass ich nicht mehr von dem Gespräch der beiden Postmitarbeiterinnen verstanden habe. Auf alle Fälle, wer von uns eine Postkarte bekommen sollte, darf sich sehr geehrt fühlen und gibt bitte Bescheid, dass sie angekommen ist.

Das Foto oben zeigt übrigens eine der drei Karten. Sie ist angekommen, in Deutschland, die zweite Karte nach Deutschland auch, bloß die Karte in die Schweiz hat nie ihren Weg gefunden, peutêtre la Suisse n’est pas autorisée.

Zuerst veröffentlicht (ohne den letzten Absatz) am 19. November 2023 unter https://bikeandcrime.wordpress.com/2023/11/19/lallemagne-nest-pas-autorisee/

Foto: privat

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